Neues aus Valmadrera

20.04.2020

Mittlerweile sind auch hier die Osterfeiertage vorbei und der Frühling ist mit voller Kraft hier am Lario angekommen. Mit Ausnahme von ein paar Regentagen haben wir Temperaturen die im Schnitt schon über 20 Grad Celsius liegen und die Natur blüht und grünt in Vorbereitung auf den Sommer. Leider können wir Valmadreresi dies auf Grund der immer noch geltenden Ausgangsbeschränkungen nur vom Fenster bzw. Balkon aus genießen. Nach neuesten Angaben gibt es in der Provinz Lecco (Stand 19.04.2020) 2.072 positiv getestete Personen (hier sind geheilte und gestorbene Personen nicht herausgerechnet). Viele Firmen sind auf Grund des Lock-Down geschlossen und die Mitarbeiter sind in „Cassa Integrazione“. Es geht trotzdem bei vielen Personen die Angst um wie es in der Zukunft weiter gehen soll. In den vergangenen 10 Tagen hat sich kontinuierlich ein Trend der Verlangsamung bei der Zahl der Neuansteckungen abgezeichnet und auch die Zahl der Personen die aus dem Krankenhaus entlassen worden sind steigt, so dass man hofft, ab dem 4. Mai mit ersten Lockerungen der strengen Ausgangsbeschränkungen beginnen zu können. Allgemein geht man aber davon aus, dass es noch eine ganze Zeit dauern wird, bis man wieder halbwegs von Normalität sprechen können wird.

An den Osterfeiertagen hat die Stadtverwaltung zusammen mit der Pfarrei die Friedhöfe gereinigt und geschmückt, da diese ja auf Grund der Beschränkungen ebenfalls nicht besucht werden können. In der nächsten Zeit waren hier in Valmadrera und Umgebung verschiedenste Veranstaltungen und Sport-Events geplant. Hier zum Beispiel die „Trofeo Dario e Willy“, ein Berglauf der in Valmadrera beginnt und nach Stationen auf den Corni di Canzo und Moregallo oberhalb von Valmadrera auch wieder hier im Ort endet. Dieser wurde ebenso abgesagt wie der traditionell an Ostern in Lecco stattfindende Jahrmarkt, das „Fest in Val“ oder der monatliche Flohmarkt hier in Valmdarera. Gesellschaftlich und sportlich wird sich die Krise noch auf lange Zeit bemerkbar machen. In den Tagen rund um Ostern hat der Zivilschutz mit von Valmadrera seinen Freiwilligen an jeden Haushalt im Ort je 2 Schutzmasken pro Familienmitglied, welche von der Stadtverwaltung und der Region Lombardei angeschafft worden sind verteilt. Da es hier, wie mittlerweile in einigen Teilen Deutschlands Pflicht ist, beim Verlassen des Hauses eine solche Maske zu tragen, ist es in der Vergangenheit in Apotheken zu Engpässen bei der Verfügbarkeit einfacher und folglich auch FFP2 und FFP3 zertifizierter Masken gekommen. Durch diese kostenlose Aktion sind nun zumindest je Bewohner 2 Masken verfügbar. Weiter oben wurde ja schon angesprochen, dass viele Firmen Ihre Mitarbeiter auf Grund der Corona-Krise und der da – mit verbundenen Auftragslage in „cassa integrazione“ geschickt haben. Das soziale System Italiens ist mit dem deutschen System nur bedingt vergleichbar. Es gibt zwar ebenso wie in Deutschland Arbeitslosengeld (12 Monate), danach gibt es vom Staat aber nichts mehr (also keine Grundsicherung / Harz IV wie in Deutschland). Sollte ein Unternehmen aus verschiedenen Gründen in Schwierigkeiten geraten, kann Sie auf dieses Instrument zurückgreifen um zumindest die Gehälter der Mitarbeiter teilweise zu sichern. Es wird hier grob zwischen cassa integrazione guardagni ordinaria (max. 13 Wochen), cassa integrazione guardagni straordinaria (max. 24 Monate z.B.Unternehmensumbau oder max 12 Monate bei Krise) und cassa integrazione guardagni ordinaria „COVID-19 nazionale (wurde extra für die aktuelle Situation modifizier und eingeführt) unterschieden. Die Version COVID 19 wird für maximal 3 Monate gewährt und ist zeitlich bis 31. Juli befristet. Es gibt hier aber wohl die Möglichkeit, sollte die Krise länger andauern, dass die Regierung diese Frist gegebenenfalls nochmals verlängert. Für alle Formen der CIG gilt jedoch, das diese für angestellt Mitarbeiter verfügbar ist. Freiberufler und Selbstständige können einen Betrag von 600,- Euro pro Monat für maximal 3 Monate beantragen. Die soziale Absicherung im Fall von Stellenverlust ist hier in Italien also bedeutend einschneidender als dies in Deutschland der Fall wäre und auch die Möglichkeiten von Finanzierungen und Überbrückungsgelder für Firmen sind anders und deutlich niedriger als in Deutschland aufgestellt.

Sofern die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgehoben sind und es wieder die Möglichkeit gibt, Ausflüge hier rund um Valmadrera zu machen, kann allen ein Besuch des „Sasso di Preguda und der angebauten Kapelle des Heiligen Isidor empfohlen werde. Der Sasso di Preguda ist ein Granit-Felsen mit Feldspat-Einschlüssen an dessen einer Flanke die kleine Kirche das heiligen Isidor angebaut wurde. Vom „Piazza Rossè“ in Valmadrera kommt man auf einem gut ausgeschilderten Wanderweg (N° 6) nach einer circa einstündigen Wanderung und einem Höhenunterschied von 410 Meternan der kleinen Kirch an. An Sonn- und Feiertagen wird die Kirche auch durch Freiwillige geöffnet und man kann ihr Inneres besichtigen. Mit etwas Glück bekommt man in der angrenzenden Hütte auch einen Caffè oder eine kleine Stärkung angeboten. Nur wenige Meter weiter Richtung Osten hat man dann eine herrliche Aussicht hinunter auf den Comer See Richtung Norden sowie auf Lecco und nach Süden in Richtung Brianza. Bei ganz gutem Wetter kann man in der Ferne über Monza bis nach Mailand blicken. Aber Vorsicht! Die Felskante fällt hier ziemlich abrupt und fast senkrecht Richtung See hin ab (man könnte schneller wieder im Hotel „aufschlagen“ als einem lieb sein kann. Wer nach dem Aufstieg zum Sasso di Preguda noch nicht genug gewandert ist, kann von hier aus die Tour über mehr oder weniger schwierige und anstrengende Wanderwege nach San Tommaso oberhalb Valmadera oder über die Corni di Canzo und den Cornizolo bis nach Civate fortsetzen.

 

01.04.2020

Mittlerweile sind 2 Wochen ins Land gegangen und es ist Zeit für ein kurzes Update zur Situation hier in Valmadrera. Nachdem ja bereits in der letzen Post vom Lario Ausgangsbeschränkungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben beschlossen worden waren, wurden in der Zwischenzeit die Maßnahmen nochmals verschärft. Nach letzten Stand gibt es in der Provinz Lecco aktuell ca. 1.200 bestätigte Personen die mit dem Covid-19-Virus infiziert sind wobei mittlerweile allgemein davon ausgegangen wird, dass die tatsächliche Zahl der infizierten Personen um ein vielfaches höher liegt.Die Ausgangsbeschränkungen die mit dem letzten Dekret vom 22. März nochmals drastisch verschärft worden sind, gelten hier in der am stärksten vom Ausbruch betroffenen Lombardei inzwischen nur noch (voraussichtlich) bis zum 5. April; ursprünglich hatte der Präsident der Region Lombardei angeordnet, dass die Maßnahmen bis zum 15. April gelten sollten. Durch diese Ausgangssperren, ist das öffentliche und soziale Leben in Italien und auch in Valmadrera komplett zum erliegen gekommen. Wer schon einmal hier in Valmadrera war, wird sich an eine kleine aber quicklebendige Stadt erinnern in der immer etwas los ist. Mittlerweile liegt eine Stille über der Stadt und wenn man den Grund außer Acht lässt, könnten man fast von einer idyllischen Stille sprechen. In der Zwischenzeit haben alle Geschäfte und auch Firmen, die nicht für die Grundversorgung der Bevölkerung notwendige Waren und Dienstleistungen anbieten oder herstellen geschlossen. Bars und Restaurants sowieso, wie schon in meiner letzten Post beschrieben. Auch die öffentlichen Einrichtungen (Stadtverwaltung, Post etc) haben die Öffnungszeiten aufs notwendigste reduziert und alle Baustellen stehen still. Mittlerweile wurde das Ausgehverbot so erweitert, dass auch Sport und Spaziergänge nur noch alleine und im direkten Umkreis der Wohnung gestattet sind; das Gleiche gilt für das Ausführen von Haustieren. Parks, Rad- und Wanderwege sind natürlich deshalb ebenfalls geschlossen worden.Wer kann, darf nur noch einmal pro Woche zum Einkaufen gehen (und auch nur 1 Person pro Haushalt), für alle die nicht aus dem Haus können oder wollen gibt es verschiedene Supermärkte und Geschäfte die nach Hause liefern oder z. B. über das Rote Kreuz einen Einkaufsservice organisiert haben. Die Pfarrei Valmadrera überträgt mittlerweile die täglichen Gottesdienste sowie den freitäglichen Kreuzweg live auf YouTube (Parrocchia di Valmadrera). Das ist die einzige Möglichkeit die man hier noch hat, neben den Fernsehgottesdiensten noch die Messe zu besuchen. Wer aus dem Haus geht, muss eine entsprechende Selbsterklärung (die sich bei jeder Änderung derDekrete ebenfalls den neuen Vorgaben anpasst – mittlerweile sind wir bei Version 4) mitführen und falls man von der Polizei kontrolliert wird, ist eine entsprechende Erklärung vor den Beamten abzugeben. Wird man ohne „zwingenden Grund“ für den Aufenthalt außerhalb der eigenen vier Wände angehalten, wurden nun die Strafen auf mindestens 400 Euro pro Fall und Person erhöht. Alles in Allem zeigen die getroffenen Maßnahmen wohl langsam Wirkung. Es sind kaum noch Menschen auf den Straßen unterwegs, außer denjenigen die wirklich müssen. Die vom Zivilschutz und den Gesundheitsämtern täglich herausgegebenen Wasserstandsmeldungen zeigen seit ein paar Tagen wohl auf, dass der Trend sich ändert und die Zahl der Neuansteckungen wohl langsamer steigt. Es beginnt ein vorsichtiges Hoffen darauf, dass der Höhepunkt der Krise erreicht ist und es langsam besser wird. Sicher darauf festlegen will sich aber niemand und alle mahnen weiterhin zur Vorsicht und zur Einhaltung der Regeln.

Nachdem wir in den vergangenen Tagen einen relativ großen Temperatureinbruch verzeichnet haben, hat sich mittlerweile das Wetter wieder sehr verbessert und der Frühling schreitet voran. Leider ist es so, dass wir Ihn nur vom Fenster oder Balkon/Terrasse aus genießen können. Alle hoffen aber, dass wir schnell die Gelegenheit haben werden, das Wetter und die wieder erwachende Natur draußen in Parks, Wäldern und Wiesen genießen zu können. Es kann nur an alle appelliert werden, die Lage nicht zu unterschätzen, sich an die Regeln zu halten und mit Vernunft und Räson die Sache zu überstehen. Ihr, liebe Weißenhorner, könnt aus erster Hand sehen, wie die Sache ausgehen kann, Valmadrera hat in Sachen Corona-Virus und Maßnahmen einen Vorsprung von circa 3-4 Wochen. Macht es richtig und haltet euch an die Auflagen – alles andere bringt nicht und gefährdet nur euch und eure Familien!

16.03.2020

Eigentlich sollte die erste Ausgabe eher heiter werden und über den beginnenden Frühling hier am Lario berichten. Es war ja auch geplant, dass eine Gruppe von Weißenhornern nach Ostern hier zu uns kommt um direkt den Frühling in den Orten und Gärten rund um den See zu genießen.

Mittlerweile hat uns der Covid-19 Erreger oder Corona-Virus wie er allgemein genannt wird einen dicken Strick durch die Rechnung gemacht. Italien und besonders die Lombardei sind seit vergangener Woche Sperrgebiet und es sind in verschiedenen Stufen die Bewegungsmöglichkeiten der Bewohner Norditaliens und damit auch von Valmadrera immer weiter eingeschränkt worden.

Aktuell ist es so, dass wir nur noch aus „triftigen Gründen“ unsere Häuser verlassen dürfen. Hierzu gehört der Weg zur Arbeit und wieder zurück nach Hause, Einkäufe für Güter des täglichen Bedarfes sowie Besuche beim Arzt und andere Tätigkeiten die nicht aufgeschoben werden können. Wer kann soll schon seit letzter Woche von zu Hause aus arbeiten (Telearbeit). Fabriken sind momentan noch geöffnet.

Ein Spaziergang an der frischen Luft gehört nach der letzten Verschärfung der Regeln nicht mehr dazu und wer bei einer der stattfindenden Kontrollen ohne Grund für den Aufenthalt im Freien angetroffen wird, muss mit einer Geldstrafe von 206 Euro rechnen – es kann auch in schweren Fällen eine Anzeige erstattet werden und die Strafen fallen entsprechend höher aus.

Mittlerweile wurden auch alle Geschäfte die nicht der Grundversorgung dienen (also fast alles außer Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte und Apotheken) geschlossen. Das sorgt dafür, dass die Straßen momentan ziemlich ausgestorben sind und man kaum noch Menschen unterwegs sieht.

Alles in allem ist es eine gespenstische Situation weil das öffentliche Leben hier in Valmadrera, wie auch im Rest Italiens, fast vollständig zum erliegen gekommen ist. Bars und Restaurants haben geschlossen und es finden auch seit einiger Zeit keine Gottesdienste mehr statt (der lokale TV-Sender „UNICA“ überträgt sonntags die Messe aus Lecco.

Mittlerweile sieht man immer öfter an Gartenzäunen, Hauswänden etc. Banner und Zeichnungen von Kindern mit einem Regenbogen und der Aufschrift „Andrà tutto bene” (alles wird gut gehen) mit der sich die Bevölkerung gegenseitig Mut in dieser schwierigen Zeit zuspricht. Gestern Abend haben viele Menschen noch brennende Kerzen in die Fenster und auf Ihre Balkone gestellt als „Licht der Hoffnung“. Es gibt Initiativen der Nachbarschaftshilfe bei denen junge Leute für ältere Mitbürger den Einkauf übernehmen oder bei denen Pizzerien die noch geöffnet haben dürfen Pizza kostenlos an Mitarbeiter von Krankenhäusern, Rettungsdiensten und Polizei/Carabinieri abgeben.

Man versucht allgemein das beste aus der schwierigen Situation zu machen, wobei niemand sagen kann, was die nächsten Tage und Wochen bringen und welche weiteren Schritte uns noch erwarten. Allgemein geht man davon aus, das in den kommenden Tagen offiziell bekannt gegeben wird, dass auch alle Fabriken den Betrieb einstellen sollen. Zum Teil haben dies verschiedene Unternehmen schon auf freiwilliger Basis gemacht und Ihre Mitarbeiter in den Urlaub geschickt.

Die Italiener allgemein, auch hier in Valmadrera versuchen das Beste aus der angespannten Situation zu machen, auch wenn Stand Freitag Vormittag, die Zahl der mit Covid-19 infizierten Personen in Valmadrera mit 4 angegeben wird. Man bleibt weitestgehend zu Hause und arrangiert sich mit der Situation.

Nach den ersten Hamster-Käufen vor 2 Wochen hat sich die Lage beruhigt und man stellt sich mit seinem Einkaufswagen „brav“ in die Schlange und wartet bis man in den Laden darf (je nach Größe und Möglichkeiten sind Grenzen festgelegt, wie viele Personen sich gleichzeitig im Ladenlokal aufhalten dürfen).