Neues aus Valmadrera

Aktuell, März 2020

Eigentlich sollte die erste Ausgabe eher heiter werden und über den beginnenden Frühling hier am Lario berichten. Es war ja auch geplant, dass eine Gruppe von Weißenhornern nach Ostern hier zu uns kommt um direkt den Frühling in den Orten und Gärten rund um den See zu genießen.

Mittlerweile hat uns der Covid-19 Erreger oder Corona-Virus wie er allgemein genannt wird einen dicken Strick durch die Rechnung gemacht. Italien und besonders die Lombardei sind seit vergangener Woche Sperrgebiet und es sind in verschiedenen Stufen die Bewegungsmöglichkeiten der Bewohner Norditaliens und damit auch von Valmadrera immer weiter eingeschränkt worden.

Aktuell ist es so, dass wir nur noch aus „triftigen Gründen“ unsere Häuser verlassen dürfen. Hierzu gehört der Weg zur Arbeit und wieder zurück nach Hause, Einkäufe für Güter des täglichen Bedarfes sowie Besuche beim Arzt und andere Tätigkeiten die nicht aufgeschoben werden können. Wer kann soll schon seit letzter Woche von zu Hause aus arbeiten (Telearbeit). Fabriken sind momentan noch geöffnet.

Ein Spaziergang an der frischen Luft gehört nach der letzten Verschärfung der Regeln nicht mehr dazu und wer bei einer der stattfindenden Kontrollen ohne Grund für den Aufenthalt im Freien angetroffen wird, muss mit einer Geldstrafe von 206 Euro rechnen – es kann auch in schweren Fällen eine Anzeige erstattet werden und die Strafen fallen entsprechend höher aus.

Mittlerweile wurden auch alle Geschäfte die nicht der Grundversorgung dienen (also fast alles außer Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte und Apotheken) geschlossen. Das sorgt dafür, dass die Straßen momentan ziemlich ausgestorben sind und man kaum noch Menschen unterwegs sieht.

Alles in allem ist es eine gespenstische Situation weil das öffentliche Leben hier in Valmadrera, wie auch im Rest Italiens, fast vollständig zum erliegen gekommen ist. Bars und Restaurants haben geschlossen und es finden auch seit einiger Zeit keine Gottesdienste mehr statt (der lokale TV-Sender „UNICA“ überträgt sonntags die Messe aus Lecco.

Mittlerweile sieht man immer öfter an Gartenzäunen, Hauswänden etc. Banner und Zeichnungen von Kindern mit einem Regenbogen und der Aufschrift „Andrà tutto bene” (alles wird gut gehen) mit der sich die Bevölkerung gegenseitig Mut in dieser schwierigen Zeit zuspricht. Gestern Abend haben viele Menschen noch brennende Kerzen in die Fenster und auf Ihre Balkone gestellt als „Licht der Hoffnung“. Es gibt Initiativen der Nachbarschaftshilfe bei denen junge Leute für ältere Mitbürger den Einkauf übernehmen oder bei denen Pizzerien die noch geöffnet haben dürfen Pizza kostenlos an Mitarbeiter von Krankenhäusern, Rettungsdiensten und Polizei/Carabinieri abgeben.

Man versucht allgemein das beste aus der schwierigen Situation zu machen, wobei niemand sagen kann, was die nächsten Tage und Wochen bringen und welche weiteren Schritte uns noch erwarten. Allgemein geht man davon aus, das in den kommenden Tagen offiziell bekannt gegeben wird, dass auch alle Fabriken den Betrieb einstellen sollen. Zum Teil haben dies verschiedene Unternehmen schon auf freiwilliger Basis gemacht und Ihre Mitarbeiter in den Urlaub geschickt.

Die Italiener allgemein, auch hier in Valmadrera versuchen das Beste aus der angespannten Situation zu machen, auch wenn Stand Freitag Vormittag, die Zahl der mit Covid-19 infizierten Personen in Valmadrera mit 4 angegeben wird. Man bleibt weitestgehend zu Hause und arrangiert sich mit der Situation.

Nach den ersten Hamster-Käufen vor 2 Wochen hat sich die Lage beruhigt und man stellt sich mit seinem Einkaufswagen „brav“ in die Schlange und wartet bis man in den Laden darf (je nach Größe und Möglichkeiten sind Grenzen festgelegt, wie viele Personen sich gleichzeitig im Ladenlokal aufhalten dürfen).